Am 14. 12. hatten wir wieder einmal Besuch zu unserer mittlerweile fünften „Wir machen Stadt“ Veranstaltung. Dieses mal Anja, Falk und Sophie von Leipzig + Kultur e. V..

Da wir als Ständige Kulturvertretung uns nicht nur die Vernetzung und den Austausch der freien Szene wollen, sondern auch Sprachrohr sein wollen, die die sich für die Belange und Bedarfe der Kulturschaffenden in Erfurt einsetzt, haben wir uns diesmal die Leipziger aufs Sofa geholt.

Ihre Initiative besteht schon seit 1999. Seit 2014 sind sie sogar ein Verein, um eine professionelle Struktur aufzubauen, die die politische Arbeit in angemessener Qualität begleitet und auch die interne und externe Kommunikation verbessert. Der Verein Leipzig + Kultur e.V. konstituierte sich mit 15 Gründungsmitgliedern aus Künstlern, Privatpersonen und Kultureinrichtungen. In ihrer Arbeit haben es die Leipziger geschafft sich in der Politik Gehör zu finden und kontinuierlichen Kontakt mit der Politik und der Verwaltung zu haben. Und das auf Augenhöhe. Die Leipziger freie Szene ist Teil des Selbstbildes der Stadt. Regelmäßig führen sie Trialoge und haben dazu sogar 2015 Handlungsempfehlungen für eine gemeinsame Kommunikation auf Augenhöhe herausgegeben.

Im Gespräch mit ihnen haben wir viele Parallelen ziehen können. Genau wie die Leipziger wollen wir das Selbstverständnis der freien Szene in der Stadt stärken und haben dafür schon viel getan. Genau wie wir, haben die Leipziger die Kultur zu Grabe tragen müssen. Schon 2007! Doch sie haben nicht die Königin Kultur beerdigt, sondern sie haben gleich einen ganzen Kulturfriedhof errichtet. Bevor sie ihn neben der Thomaskirche aufgebaut haben, sind sie über den Weihnachtsmarkt gelaufen, um die Aufmerksamkeit noch zu erhöhen. Nachdem der Friedhof neben der Thomaskirche aufgebaut wurde, haben die Leipziger die Kreuze ins Rathaus getragen und eine Zwangsführung gemacht. All dies wurde medienwirksam begleitet.

Mit dieser und anderen Aktionen haben sie es in den Jahren geschafft, ein ernstzunehmendes Sprachrohr zu werden und als dieses auch respektiert zu werden.

Am interessantesten aber war es zu erfahren, wie sie es geschafft haben im ständigen Austausch mit der Politik und Verwaltung zu stehen. Denn genau diesen Weg wollen wir auch gehen. Wir sind uns einig, dass wir einerseits die Verwaltung auffordern müssen, uns mehr zu informieren bzw. uns auf Dinge, die relevant für die freie Szene sind, aufmerksam zu machen und wir müssen andererseits die Kulturschaffenden mehr ins Boot holen und auffordern sich mehr einzusetzen, mehr teilzunehmen. Wir als Ständige Kulturvertretung sind der Mittler zwischen Verwaltung und Politik und dem Netzwerk. Und die Strukturen sind da! Wir stehen in Kontakt mit der Verwaltung, wir sind eingeladen an einem runden Tisch zu sitzen, wir werden gesehen und auch gehört; trotzdem sind es noch viele Fäden, die wir ziehen müssen, um mehr Gehör zu finden, um zu zeigen, wer wir eigentlich wirklich sind. Und da seid auch ihr gefragt! Wir müssen als starkes Netzwerk nach außen treten und uns sichtbar machen. Nicht als ewige Bittsteller, sondern Menschen, die wertvolle Sachen erschaffen, Kultur machen, die wichtig für die Stadt ist, wertvoll, die konsumiert wird. Als Teil der Kultur in Erfurt.

Was haben wir also gelernt von diesem Abend? Wir müssen mehr zur Teilnahme auffordern, euch noch mehr zeigen, dass es uns als Ständige Kulturvertretung gibt, ihr mit euren Belangen zu uns kommen könnt, denn wer bedroht ist, muss initiativ werden, denn im zusammen ist man stärker, oder! Aber wir haben auch Strategien erfahren, wie man die Verwaltung mehr auffordert uns einzubinden und zur Handlung aufzufordern.

Was denkt ihr, kann noch getan werden?

 

Juliane Grossmann
Author

Moderatorin hier auf der Seite, Texterin, Illustratorin und Tätowieren in der richtigen Welt, Teil der Ständigen Kulturvertretung. info@juliane-grossmann.de

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